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Männerbüro Region Basel feiert 20. Jubiläum

Männerbüro Region Basel feiert sein 20-jähriges Jubiläum

Regierungsrat Baschi Dürr feiert gemeinsam mit den ehemaligen freiwilligen Mitarbeitern und Vertretern der Institutionen und Sponsoren das Bestehen der einzigen Beratungsstelle für Männer der Region.

Präsident Oliver Borer begrüsste am 18. September 2015 die geladenen Gäste und regte in seiner Ansprache zum Gespräch und Austausch zwischen Politikern, Fachleuten, Gönnern und ehemaligen freiwilligen Mitarbeiter ein. Diese machten davon bei einem Apéro und einem Abendessen im Restaurant Säulikantine an der Lysbüchelstrasse in Basel rege Gebrauch.

Regierungsrat Baschi Dürr betonte die Bedeutung der Männerberatungsstelle für die Region. Die Stelle werde zwar nur mit einem kleinen Betrag Subventioniert, sie sei aber für Männer in Lebenskrisen zu einer wichtigen Anlaufstelle geworden, so wie auch für die Frauen Anlaufstellen bestehen.

Zum Dank für ihren engagierten Einsatz wurde den fünf Gründungsmitgliedern, den ehemaligen freiwilligen Mitarbeitern sowie den Vorstandsmitgliedern einen „Schappo-Pin“ überreicht; diese Ehrung wird vom Kanton Basel Stadt für besondere Dienste im Bereich der Freiwilligenarbeit bereit gestellt.

Vor 20 Jahren, am 14. März 1995, gründeten fünf initiative Männer das Männerbüro der Region Basel, mit dem Ziel eine Beratungsstelle für Männer zum Thema Gewalt zu schaffen. Über Jahre arbeiteten insgesamt 30 Männer freiwillig für das Männerbüro und hielten so das Angebot aufrecht. Im Jahre 2000 wurde dem Männerbüro Region Basel der Chancengleichheitspreis beider Basel verliehen, im Herbst 2004 erfolgte die erste öffentliche Starthilfe durch den Lotteriefonds beider Basel. Eine erneute finanzielle Unterstützung durch den Kanton Basel-Stadt, die GGG und die Jaqueline-Spengler-Stiftung sowie weiterer Organisationen und Gemeinden, ermöglichte es die Stelle bis 2008 aufrechtzuerhalten. Danach erfolgten jeweils vierjährige Leistungsverträge mit den Kantonen BS und BL.

Inzwischen ist das Männerbüro zu einer etablierten Institution in der Region geworden. Im vergangenen Jahr wurden über 600 Stunden (bei 65 Stellenprozente) Beratungsgespräche gehalten und insgesamt 184 ratsuchende Männern beigestanden. Dies, nebst zahlreichen telefonischen Beratungen für Betroffene, aber auch für Fachleute verschiedenster sozialer Institutionen und Angehörige, die Hilfe für die Betroffenen oder sich selbst suchten. Das Beraterteam besteht aus einem Dipl. Sozialarbeiter mit therapeutischer Zusatzausbildung, einem Sozialtherapeuten mit systemischer- und Gewaltberatungsausbildung, einem Juristen und einem Praktikanten.

Heute melden sich die Männer hauptsächlich zu Themen wie Gewalt – Trennung und Sorgerecht an das Männerbüro Region Basel.

Wie Herr Grisenti, der Stellenleiter des Männerbüros betont, dürfen diese Themenfelder nicht einfach getrennt voneinander betrachtet werden, denn Probleme in Familie und Partnerschaft sind oft der Nährboden für Gewalt-Szenarien. Die Begleitung in solchen Fällen liegt deshalb ebenfalls im Fokus des Männerbüros, mit dem Ziel auch präventiv in die Problematik häuslicher Gewalt einzugreifen. Nicht zuletzt gilt dies auch für Männer, die sich mit anderen sozialen Problemen wie Arbeitslosigkeit, Lebens- oder Sinnkrisen ans Männerbüro wenden. Jeder Mann der sich ans Männerbüro wendet, erhält Gelegenheit zu einem Gespräch „von Mann zu Mann“ und oft zeigt sich, dass sich hinter einer vordergründig sozialen Notsituation eine Gewaltproblematik anbahnt oder versteckt hält.

Ein genauerer Blick auf die Gruppe der Ratsuchen lässt in verschiedener Hinsicht aufhorchen. So sind rund Dreiviertel der Hilfesuchenden Familienväter, was deutlich aufzeigt, dass die Gewaltproblematik nicht ein isoliertes Phänomen zwischen sich nicht-verstehenden Partnern darstellt, sondern häusliche Gewalt in vielen Fällen ganze Familien betrifft. Auch ist es längst nicht immer so, dass häusliche Gewalt nur von Männern an Partnerin oder Familie verübt wird, sondern in den letzten Jahren melden sich, wenn auch noch zaghaft, Männer die unter der Gewaltausübung ihrer Partnerin oder der anderer Familienangehöriger leiden. In Fällen familiärer Zerrüttung avanciert verbale, psychische und körperliche Gewalt in einem Haushalt oft zur generellen Artikulations- und Handlungsweise zwischen allen Beteiligten.
Für deutlich mehr als die Hälfte der Hilfesuchenden ist das Männerbüro die erste Anlaufstelle. Dies bestätigt das Konzept des „niederschwelligen Angebots“ und des Gespräches „von Mann zu Mann“; zwei Leitgedanken die das Männerbüro von Anfang weg postuliert hat. Keiner soll zögern das Männerbüro zu kontaktieren und jeder darf auf ein Gespräch mit einem engagierten, professionellen Mann, der ihn in seiner Problematik ernst nimmt, Anspruch haben. Dies tun heute zwei Sozialarbeiter mit therapeutischer Weiterbildung sowie ein Rechtsanwalt, der bei Bedarf zugezogen wird.

„Selbst ist der Mann“ ist heute ein sehr gewagtes und zerstörerisches Lebensmotto, wenngleich viele Männer sich daran immer noch festhalten, wie der Ertrinkende am Strohhalm. Der Ruf nach Gleichstellung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten breitgemacht. Gemeint waren damit die Frauen. Männerarbeit soll nicht als Gegenpol zur Arbeit der Frauenorganisationen verstanden werden, sondern als Aufruf an die Männer, ebenfalls Hilfe anzunehmen. Gleichstellung ist nur möglich, wenn Männer nicht nur auf sich selber gestellt sind – oder vehement an dieser Vorstellung von Männlichkeit festhalten – sondern sich wagen Hilfe zu holen und diese auch angeboten bekommen. Männer müssen und sollen sich nicht gegen die Frauen emanzipieren, sondern gegen ihre eigene Vorstellung der männlichen Allmacht.

Walter Grisenti Oliver Borer
Geschäftsleiter und Berater Präsident


Weiterführende Informationen: www.mbrb.ch
Kinospot (Heinz Margott und Martin Hahnemann)unter: https://db.tt/tuO4SXVI
Pilotprojekt für werdende Väter: http://www.mbrb.ch/de/vater-werden-vater-sein/

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